Künstliche Fliege statt fetter Wurm - Angeln mit lebenden Ködern im Chemnitztal bald passé
Lichtenau/Claußnitz/Burgstädt. Im Abschnitt der Chemnitz zwischen Wittgensdorf und Mohsdorf werden laut Anglerverband Südsachsen im Jahr im Schnitt 250 bis 300 Kilogramm Fisch geangelt, diese Zahl dürfte sich bald reduzieren. Denn Angler, die dort mit einem fetten Wurm, Teigkugeln oder Mais versuchen, Karpfen oder Forellen aus dem Wasser zu ziehen, werden an der Chemnitz im Chemnitztal im kommenden Jahr vermutlich nicht mehr zu entdecken sein.
Stattdessen wird man mehr Angler beobachten können, die mit Watthosen im Fluss stehen und ihre Angel mit künstlicher Fliege oder Spinne auswerfen. Denn der Flussabschnitt der Chemnitz bis etwa Mohsdorf soll nur noch als so genanntes Salmoniden-Gewässer beangelt werden können. Das heißt, nur Fliegenfischen oder Spinnfischen, also immer mit künstlichen Ködern, sind dann noch erlaubt.
Darüber wird gegenwärtig im Anglerverband Südsachsen und im Gewässerausschuss noch beraten. Aber in vielen Vereinen wird jetzt schon heftig darüber diskutiert. Für Jürgen Gastmeyer, Geschäftsführer des Anglerverbandes Südsachsen Mulde/Elster, gibt es gute Gründe für die geplante Beschränkung für das Angeln: "An einem Wurm oder einer Teigkugel ,lutschen' die Jungfische und können sich schnell verschlucken", meint er. Das betrachtet Gastmeyer als Quälerei vor allem für die Jungfische.
"Wenn die Chemnitz zum Salmoniden-Gewässer deklariert wird, können wir unser Lachsprogramm viel besser verwirklichen", ist Gastmeyer überzeugt. Denn im Herbst werden die ersten Lachse zurück erwartet, die vor vier Jahren ausgesetzt worden sind. Eine Brut von 100.000 frisch geschlüpften Lachsen war damals in die Chemnitz gesetzt worden. Nach ihrer Reise in die Nordsee könnten sie jetzt im Alter von vier Jahren zum Laichen an den Ort ihrer Kinderstube zurückkehren.
Damit werde irgendwann auch einmal das Lachs-Angeln wieder möglich sein - der letzte Lachs wurde 1884 aus der Chemnitz geholt. Um diesen Fisch zu schützen, sieht Gastmeyer die anstehenden Veränderungen für die Angler in der Chemnitz als notwendig an.
Dieter Saupe vom Angelverein Fischweid Burgstädt würde aber eine derartige Neuerung nicht gut finden. "Es gibt doch schon genug Salmoniden-Gewässer in der Region", meint er. Außerdem würden viele Burgstädter Angler gerade in Markersdorf an der Chemnitz gern Karpfen angeln, sie wären von der Neuregelung betroffen. Auch Erhard Schutt, Vorsitzender des Anglervereins in Auerswalde, sagt, dass die Entscheidung die Angler verärgert. "Denn damit geht doch ein Angel-Gewässer für uns verloren", sagt der Angler.
Hingegen würde Joachim Kretzschmar vom Anglerverein Claußnitz den neuen Status für die Chemnitz als Salmoniden-Gewässer sehr begrüßen. "Das wäre eine gute Entscheidung. Damit würden Kontrollmechanismen besser funktionieren, und Schwarzangler könnten leichter erwischt werden", meint Kretzschmar. Denn Schwarzangler würden meist auf traditionelle Weise den Fisch aus dem Wasser ziehen. "Das wäre nicht nur ein wichtiger Schritt für den Fischschutz, sondern auch für den Erhalt der Flora und Fauna", ist sich Kretzschmar sicher.
Die Claußnitzer Angler hätten erst in der vergangenen Woche einen so genannten Forellenbesatz in der Chemnitz vorgenommen. Das heißt, sie haben Forellenbrut künstlich herangezogen und 30.000 geschlüpfte winzige Forellen in die Chemnitz ausgesetzt. Davon würden aber leider nur zwei bis fünf Prozent überleben.
Von Gudrun Müller
Quelle: http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/REGIONALES/CHEMNITZ/1287894.html
Ort:
Lichtenau
Land:
Deutschland
Gewässertyp:
Fluss
Angelgewässer:
Sonstiges Gewässer:
Chemnitz
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