Von großen und kleinen Fischen – Die Sava in Slowenien

Eigentlich wollten Jim und ich das Wochenende an der Ybbs bei Opponitz verbringen. Aber extrem starke und anhaltende Regenfälle zerstörten diesen Plan und machten jeden Gedanken an Fischen in Gewässern nördlich der Alpen auf Tage hinaus hinfällig. Also hieß es, eine Alternative zu finden, die von München aus mit dem Auto noch einigermaßen erreichbar ist. Ich rief bei Roc Mikec, dem Besitzer von Fauna Flyfishing im slowenischen Bled an, und dieser bestätigte mir, dass die Region von den Unwettern verschont geblieben war und die Bedingungen in der Sava Bohinjska sehr gut seien.

Die Sava ist eh einer meiner Lieblingsflüsse. Die Fische dort sind zwar nicht riesig und der Fischereidruck ist aufgrund der zu üppigen Ausgabe von Tageskarten recht hoch. Aber landschaftlich kenne ich in Europa keinen schöneren Fluss. Und wenn man ein wenig Kletterei in Kauf nimmt, kommt man in eine Schlucht, in die sich die sommertouristischen Pauschal-Fischer nicht so ohne weiteres verirren. Das dortige türkisfarbene Wasser, die unverbauten Strecken und absolute Abgeschiedenheit sind einfach atemberaubend.

Der Ort Bled liegt sehr pituresk an einem wunderschönen See am Rande der Alpenausläufer. Der See und die gesamte Landschaft waren schon Kulisse für die Winnetou-Filme der Siebziger („Der Schatz im Silbersee“) und die Region war bereits zu Zeiten Jugoslawiens eine Touristen-Metropole. Mit der fulminanten Entwicklung Sloweniens nach der Unabhängigkeit wurde die Infrastruktur entsprechend weiterentwickelt und heute steht sie anderen westeuropäischen etablierten Ländern in nichts nach. Es ist allerdings auch nicht mehr wesentlich billiger…

Also machten wir uns auf die ca. 3,5stündige Fahrt und holten uns noch freitags nachmittags die Karten für die ca. 23 km lange Sektion von Bled im Shop von Fauna. Da wir eine Dreitages-Lizenz hatten, versuchten wir noch spontan einen Abendschlupf an einer gut zugänglichen Stelle mitzunehmen. Und tatsächlich, trotz relativ kühler Luft- und Wassertemperaturen, stiegen die Fische mit einbrechender Dunkelheit auf unsere Trockenfliegen. Wir konnten keinen beeindruckenden Fischen spotten oder gar fangen, aber insgesamt war ordentlich was los und wir fingen einige wunderschöne Äschen und Rainbows, bevor wir bei völliger Dunkelheit die Sachen packten und uns auf den Weg zurück nach Bled machten, um ein paar Bier zu trinken. Übernachtet haben wir in der Lodge, die Roc im vergangenen Jahr eröffnet hat. Sie Zimmer sind einfach, aber sehr sauber und nett. Die Lage direkt am Fluss und die Blicke auf die Sava sind sensationell!

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg in den oben bereits angesprochenen Canyon. Dazu parkten wir am nördlichen Ende der hohen Autobrücke und kletterten dann einen der ziemlich steilen Hänge ca. 10 Minuten durch dichtes Unterholz hinunter. Von da aus kann man die gesamte Schlucht ca. 1 km flussaufwärts fischen. Der Abschnitt ist dermaßen interessant strukturiert, das man sich dafür leicht 4-5 Stunden Zeit nehmen kann. Schnelle Rauschen, große umspülte Felsen, langsame Züge und tiefe Pools und das ganze in einem Canyon, dessen Hänge einige hundert Meter steil in Höhe gehen! Traumhaft!

Jim und ich hatten unsere Abstiege so gewählt, dass jeder ein Ufer abwaten und befischen konnte. Somit konnten wir zeitweise die Schönheit gemeinsam genießen ohne uns in die Quere zu kommen. Einige male hatten wir sogar Doppeldrills, was immer ein besonderer Kick ist. Wir sahen im klaren Wasser sehr viele Fische, vor allem Äschen in der Größenordnung 25-40 cm. Der größte Fisch an diesem Vormittag war eine 43 cm Äsche, die Jim auf einen Rehhaar Caddis haken und landen konnte.

Er konnte einige andere Fische mit der Trockenen fangen, während ich ausschließlich Glück auf Nymphen hatte. Bevorzugte Farben sind nach meiner Erfahrung der letzten Jahre Schwarz, Dunkelgrau und Dunkelgrün. Aber wer von Euch glaubt schon gut gemeinten Ratschlägen zu Mustern…

Am Nachmittag sind wir weiter flussabwärts zum letzten Stück vor der Trophy-Sektion, die man mit der normalen Tageskarte nicht befischen darf, gefahren. Von der kleinen Brücke, die das obere Ende der Trophy-Sektion darstellt, konnten wir einige sehr schöne und für Sava-Verhältnisse große Fische um die 50 cm sehen. Bei einem stattlichen Saibling blitzten die weißen Flossenränder. Doch nach vielen wirklich brauchbaren Präsentationen mit den verschiedensten Mustern mussten wir erkennen, dass diese Fische aus welchen Gründen auch immer keinen Appetit hatten. Ich versuchte also mein Glück etwas weiter Flussauf und nahm mir vor, es etwas später noch mal zu versuchen.

Einige hundert Meter oberhalb fand ich eine nette Schule mittelgroßer Äschen. Sie standen ca. 4 Meter vor meinen Füßen und nympften genüsslich. Ich hatte gerade einige male eine Hares Ear präsentiert, als sich ein riesengroßer Fisch zwischen die Äschen schob. Ich dachte zuerst, es sei ein wirklich großer Hecht, der hier ganz gewiss nicht hingehört. Aber bei einigen Fenstern in der Strömung konnte erkennen, dass es ein ca. 90 cm großer Huchen war. Die bronzefarbene Flanke blinkte deutlich. Interessanterweise schien die Anwesenheit dieses kapitalen Räubers die Äschen nicht weiter zu beunruhigen. Sie wirkten jedenfalls längst nicht so aufgeregt, wie ich!!!

Natürlich hatte ich keine Huchenzöpfe oder ähnliches dabei. Also knotete ich eine der größten Nymphen an das 0,14-Vorfach und wusste nicht genau, ob ich dieses Monster überhaupt wirklich haken wollte. Aber ihn in Ruhe lassen ging auch nicht… Also warf ich die Nymphe ca. 2 Meter vor den in einem Meter Tiefe stehenden Fisch. Die Präsentation war gut, ich konnte aber nur erahnen, wann die Fliege am Ziel sein würde. Auf ein Mal öffnet sich das riesige Maul des Huchens. Ich wartete noch etwas 2 Sekunden, dann schlug ich an. Der Huchen wälzte sich erstaunlich langsam auf die Seite, er drehte sich einmal oder zweimal um die Längsachse ehe er – immer noch ziemlich unaufgeregt – zur Seite ausbrach. Das ganze ging nicht etwa sehr schnell, dennoch merkte ich erstmals die brachiale Kraft eines solchen Fisches. Es war irre! Leider ließ bereits nach einigen Sekunden der Zug auf der Leine abrupt nach. Als ich das Vorfach inspizieren wollte, um zu sehen, wo es gebrochen ist, stellte ich fest, dass die Fliege sogar noch dran war. Mir war der Haken einfach ausgeschlitzt, beziehungsweise er hatte offensichtlich nicht richtig gesessen. Wir allen wissen, dass so etwas passiert, aber meine Enttäuschung wurde dadurch nicht gemindert.

Ich habe vor einigen Jahren aufgehört zu rauchen. Aber wenn ich in dem Moment eine Zigarette gehabt hätte, wäre ich rückfällig geworden. Erst jetzt viel mir ein, dass ich in meiner Aufregung vergessen hatte, ein Bild von dem Huchen zu machen. Aber das war nun auch schon egal.

Nach einer Pause begann ich wieder, auf „normale Allerwelts-Salmoniden“ zu fischen, aber irgendwie war die Luft raus. Es fehlte mir die Konzentration und auch der Jagdtrieb, so dass ich mich im weiteren Verlauf darauf beschränkte, meinem Freund beim Fischen zuzuschauen. Da Jim ein sehr erfahrener und guter Fliegenfischer ist, hätte ich hier sicherlich noch viel lernen können. Aber immer wieder überlegte ich, was ich beim nächsten Mal anders machen müsste, um den Huchen sicher zu haken, und dabei wurde mir klar, dass es wahrscheinlich kein nächstes Mal geben würde…

Es war mein vierter Trip an die Sava und bei jedem Mal gab es ein Highlight. Neben der Sache mit dem Huchen war mir aufgefallen, dass ich zuvor noch niemals so viele Äschen gesehen hatte. Entweder hat man das Kormoranproblem auf die konventionelle Art gelöst („Wen ich nicht töten kann, den vergräme ich wenigstens…“) oder man hat es geschafft, Äschen erfolgreich zu besetzen. Die Antwort konnte ich nicht herausfinden, aber ich werde nachhaken. Bei meiner nächsten Reise an die Sava. Denn diesen Fluss werde ich sicherlich noch häufiger befischen. Und hier werde ich einen Huchen auf Nymphe landen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.